Realitätsverlust

Immer dann wenn meine persönliche Stimmung abfällt dann schaue ich in die offizieleln WoW-Foren … da gibt es immer etwas zu lachen. Aktuelles Hi-Light sind solche Beiträge die sich über die „undankbaren Spieler“ beschweren.

Undankbar ? *roflcopter*

Bin ich meinem Bäcker dafür dankbar daß ich bei ihm Brötchen kaufen darf ?
Bin ich meiner Bank dafür dankbar daß sie mit meinem Geld Zinsen erwirtschaften dürfen ?
Bin ich dem Handwerker dafür dankbar daß er bei mir einen Mangel repariert und damit seine Frau & Kinder ernähren darf ?

Dankbarkeit beschreibt das Verhältnis zwischen einem Dienstleister und seinem Kunden eher nicht. Viel angemessener sind da doch Begriffe wie Vertrauen, Zufriedenheit oder Preiswürdigkeit. Dabei sind die einzelnen Faktoren untereinander nur bedingt abhängig. Apple Computers schafft es zB trotz seiner unbestrittenen Mondpreise bei der Kundenzufriedenheit auf Platz 1 zu liegen – da gleicht dann das Ergebnis völlig überraschend sogar den Preis aus.

Aber Dankbarkeit ?

Wie muß ich mir das „danke lieber Dienstleister daß Du mein Geld nimmst weil es sonst keiner will“ denn vorstellen ? Hat der Text-Ersteller sein Geld selber gedruckt und der Einäugige nimmt es in einem Akt der Barmherzigkeit anstatt harter US$/Euros ? Wurde er entmündigt und darf keine Geschäfte mehr tätigen aber der Monopolist behandelt ihn wie einen voll Geschäftsfähigen ?

Oder handelt es sich nur um einen Akt des Realitätsverlustes und er verkennt daß die Kritiker in den WoW-Foren kein Vertrauen in die Fähigkeiten in den Monopolist (mehr) haben, mit seiner Dienstleistung unzufrieden sind und den Preis für das was sie geboten bekommen für zu hoch empfinden ?

Luna

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11 Kommentare

Eingeordnet unter World of Warcraft

11 Antworten zu “Realitätsverlust

  1. Socordia

    Ich bedanke mich grundsätzlich bei Handwerkern und bin Ihnen z.B. dankbar, daß nicht ich auf dem Boden rumkriechen muss.

    Und nicht wenige befreundete Handwerker und sonstige Dienstleister bekommen häufig, z.B. zu Weihnachten, sehr viele Präsente – aus Dankbarkeit.

    Ja, Leute sind Dienstleistern dankbar, selbst wenn sie dafür bezahlen.

    Schade, daß Du es nicht bist… bist aber in der heutigen Gesellschaft mit dieser Einstellung sicher nicht alleine.

  2. @Soco:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Dankbarkeit

    Definiert relativ sauber daß ich die Gegenleistung nicht einfordern kann aber trotzdem bekomme. Daraus resultiert dann die Dankbarkeit. Bei einer Dienstleistung die ich kaufe kann die die Gegenleistung sehr wohl einfordern – notfalls sogar einklagen.

    An der Stelle weiß ich nicht ob Du Dankbarkeit nicht vielleicht doch mit Zufriedenheit verwechselst. Wenn Du früher in der DDR gewohnt hast und Dir jemand beim Bau Deiner Datsche geholfen hast – dem warst Du dankbar. Das ist aber etwas anderes als wenn Du es kaufst …

    Luna

  3. Mir wurde, als ich Kritik am Spiel *Black Mirror* im Adventure-Treff auch mangelnde Dankbarkeit vorgeworfen. Für dieses Spielebereich mag es noch einen gewissen Sinn machen, da man mit Adventures nicht das große Geld verdient.

    Aber ich sage zu Blizzard das gleiche wie damals zu dem anderen Spiel: Ich bin Microsoft auch nicht dankbar dafür, dass sie Windows weiterentwickeln oder wie Luna es ausdrückte, dem Bäcker, dass er Brötchen backt.

    Es ist einfach Blizzards Job sich um WoW und seine Fortentwicklung Gedanken zu machen.

  4. Nachtrag:

    Man sollte Floskel (Handwerker, GM) auch nicht mit echter Dankbarkeit verwechseln, für mich markiert dies lediglich den höflichen Abschluß eines Gespräches.

    Dankbar bin ich gegenüber Leuten, die etwas machen, was über das normale Maß hinaus geht, wie z.B. ein HM, der immer ein Fischmahl unaufgefordert aufstellt oder jemanden gegenüber, der mir einen Topf Suppe vor die Haustüre stellt, wenn ich krank bin.

    Aber meine Position gegenüber dem Bäcker und Blizzard ist klar: Ich bin froh, dass es beide gibt, aber nicht dankbar, weil sie ihren Job machen.

  5. Ich bin ab und an auch Leuten dankbar…aber einem Dienstleister, dem ICH MEIN Geld gebe, bin ich nur dankbar, wenn er für das gebotene Geld außergewöhnliches leistet. Das tat Blizzard nie, das tut Blizzard auch jetzt nicht und wird Blizzard auch nie tun!

    War ich eigentlich jemals einem MMO-Anbiete dankbar? Hmmm ja okeeeeee, Blizzard für den Lurky, weil die Bearbeitung wirklich fix ging. Aber sonst? Nö. das passt auch nicht.

  6. Ist halt einfach der Job desjenigen, seine Arbeit richtig zu machen. Bin meinem Bahnfahrer auch nicht dankbar, wenn er mich von A nach B schafft. Nur wenn er das verkackt und entgleist bekommt er halt die Quittung.

    Erinnert mich immer an die Leute, die dem Heiler im Bg, oder dem Tank in einer Instanz danken… *kopfschüttel*. Wenn es um Freunde geht, wie Soco ja angeschnitten hat, ist das ein anderes Thema nach meiner Meinung. Aber solange ich die Leute nicht direkt kenne, oder *freundschaftlich* um etwas bitte, ist mir ein Danke auch fremd.

    LG

  7. Bin meinem Bahnfahrer auch nicht dankbar, wenn er mich von A nach B schafft. Nur wenn er das verkackt und entgleist bekommt er halt die Quittung.

    Wobei ich das Motto: Wenn alles gut läuft sage ich nichts, wenn etwas schief läuft schreie ich los, auch nicht ok finde.

    Erinnert mich immer an die Leute, die dem Heiler im Bg, oder dem Tank in einer Instanz danken… *kopfschüttel*. Wenn es um Freunde geht, wie Soco ja angeschnitten hat, ist das ein anderes Thema nach meiner Meinung. Aber solange ich die Leute nicht direkt kenne, oder *freundschaftlich* um etwas bitte, ist mir ein Danke auch fremd.

    Ich bin ein (gerade für WoW-Verhältnisse) ein extrem formaler Mensch: Ich bedanke mich bei den GMs für das Gespräch (kostet mich nichts und verschafft ihnen Befriedigung), ich bedanke mich am Ende der Ini bei allen Beteiligten, ich bedanke mich für Fischmahle ect..
    Mir ist es auch egal, ob einige es doof finden oder nicht – das gehört zu mir dazu, tut niemanden weh, also keinen Grund es zu ändern.

  8. Fischmahl, ok. GM ist ein fragwürdiges Thema – wenn es ein wenig Offtopic wird und ich Smalltalk halten kann, bedanke ich mich auch. Beschränkt es sich auf dessen Arbeit, lasse ich es bleiben.

    Für mich ist es halt der Punkt, dass etwas zu laufen hat, wenn ich dafür verantwortlich bin, aber das ist natürlich meine subjektive Einstellung und die kann gern jeder anders sehen. Für mich selbst möchte ich dann entsprechend auch keinen Dank für etwas, was von mir erwartet wird.

    LG

  9. Ich sehe es einfach so: Ein Lächeln und / oder ein Danke verschönert dem anderen Tag und kostet mich nichts.

  10. Gudi

    Du glaubst gar nicht, wie dankbar ich bin, wenn ich mal „richtiges“ Brot kaufen kann. Ich bin dankbar, wenn im Frisörladen eine Polin arbeitet. Ich bin dankbar, wenn mein Vermieter mir hilft. Ich bin dankbar, wenn ich meine Geheimzahl zu oft falsch eingegeben hatte und man mir die Karte einfach wieder freischaltet ohne Firlefanz.

    Alle diese Leute werden von mir mehr oder weniger direkt für eine Leistung bezahlt, aber der Umfang der Leistung hat eine riesige Spannweite.
    So kann dein Handwerker stinkend und dreckig deine Wohnung besudeln und nach 3 Wochen ist die Heizung erneut kaputt oder du hast jemanden, der es ordentlich macht und dich respektiert. Beide vollbringen ihre Leistung und erhalten das selbe Geld von dir.

    Außerdem kannst du ja mal raten, wo du bessere Arbeit verbringen würdest als Handwerker. Bei der Hausfrau, die den Boden mit Zeitung auslegt, damit du mit den Schuhen langlaufen kannst und sie dir noch nen Kaffee anbietet – oder bei der Zicke die deine Arbeit als Selbstverständlichkeit hinnimmt?

  11. @Gudi:

    Wenn man genau hinschaut erfüllt Deine Dankbarkeit sehr genau die Definition der Wikipedia:

    Du bist dankbar für richtiges Brot weil es da wo du wohnst gar keines gibt. (Zur Erklärung: Gudi wohnt als Deutscher in Irland und mußt englische/irische Pampe essen).

    Du bist dankbar weil die Polinen Haare „kontinental“ schneiden können – im Gegensatz zu denen die es sonst versuchen.

    Du bist dankbar weil Du Deinen Vermieter nicht dafür bezahlst daß er Dir hilft er es aber trotzdem tut.

    Das sind alles Dinge die du eben nicht kaufen kannst die Du aber trotzdem manchmal bekommst.

    Dankbarkeit entsteht aber nicht aus Dingen für die man bezahlt und die man trotzdem nicht bekommt. Insofern bleibe ich dabei – Realitätsverlust bei dem Fanboi der den kritischen Kunden im WoW-Forum „Undankbarkeit“ vorwirft wenn sie ihre Unzufriedenheit äußern.

    Luna